In Deutschland ist die Gesundheitsversorgung ein verfassungsmäßiges Recht für alle Bürger. Trotzdem ist der Zugang zu einer zeitnahen Gesundheitsversorgung für die Menschen in ländlichen Gebieten schwierig. Die geringe Anzahl an Ärzten vor Ort, lange Anfahrtswege und fehlender Internetzugang erschweren dies. Gerade Telemedizin Anwendungen bieten im ländlichen Raum großes Potenzial, um diese Versorgungslücke zu schließen. In diesem Beitrag werden wir die Definition des ländlichen Raums in Deutschland, die Gründe für Schwierigkeiten bei der medizinischen Versorgung, die Grenzen der effektiven Umsetzung eines Telemedizin Ansatzes, das Potenzial von Offline Telemedizin Apps und andere damit zusammenhängende Themen genauer erörtern.
Welche Regionen in Deutschland gelten als ländlich?
Die als ländlich geltenden Regionen in Deutschland zeichnen sich durch Folgendes aus:
- Große Fläche, große Entfernungen zwischen den Städten und geringe Bevölkerungsdichte
- Allmähliche Alterung der Bevölkerung
- Geringe Anzahl an medizinischen Einrichtungen und Ärzten
- Eingeschränkte öffentliche Verkehrsinfrastruktur
- Schlechte Mobilfunkabdeckung
Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, eine deutsche Bundesforschungseinrichtung mit den Schwerpunkten ländliche Räume, Forstwirtschaft und Fischerei, führte eine Untersuchung durch und berichtete: “57% der Bevölkerung Deutschlands (etwa 47 Millionen Menschen) leben in ländlichen Gebieten, die 91% der gesamten Fläche ausmachen.“
Gründe für die herausfordernde medizinische Versorgung im ländlichen Raum
Die Hauptgründe:
- Wenn Ärzte älter werden und in den Ruhestand gehen, werden sie nicht immer ersetzt.
- Fachärzte wie Kardiologen, Neurologen und andere sind oft weit entfernt, und Patienten müssen oft 50 bis 100 Kilometer zurücklegen, um sie aufzusuchen.
- Lokale Ärzte haben oft lange Wartelisten und können Termine wochenlang im Voraus vereinbaren.
- Ältere Menschen, die in ländlichen Gebieten den Großteil der Bevölkerung ausmachen, fahren nicht immer mit dem Auto, und in abgelegenen Gebieten sind öffentliche Verkehrsmittel nur selten oder gar nicht vorhanden. Aus diesem Grund sind logistische Probleme einer der Gründe für die mangelnde Erreichbarkeit von Gesundheitsdiensten.
- Die medizinische Fernversorgung ist oft auf eine Internetverbindung angewiesen, viele Haushalte verfügen jedoch nicht über ein zuverlässiges Mobilfunksignal und die Umgebung kann in einem Funkloch liegen.
Warum Telemedizin eine Option ist?
Die telemedizinischen Anwendungen ermöglichen die Fernbereitstellung verschiedener medizinischer Leistungen. Dazu gehören:
- Fernkonsultationen mit Hausärzten oder Fachärzten
- Überwachung chronischer Erkrankungen
- Rezeptverlängerung und Medikamentenmanagement
- Ferndiagnose von Krankheiten
Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass diese Anwendungen nur dann wirksam sind, wenn sie alle Besonderheiten ländlicher Gebiete berücksichtigen. Derzeit sind viele medizinische Apps an den Netzzugang und Online-Dienste gebunden. Das funktioniert in Großstädten, nicht jedoch in abgelegenen ländlichen Gebieten. Wenn die App nicht funktioniert oder keine Daten synchronisiert, kann das zu einer Herausforderung werden. Ohne die Möglichkeit des Offline Zugriffs auf Telemedizinanwendungen haben die Bewohner ländlicher Gebiete keinen Zugang zu Dienstleistungen.
Anwendungsbeispiele der Temeledizin in den ländlichen Räumen
- Die postoperative Patientenüberwachung. Nach der Operation benötigen Patienten eine kontinuierliche Betreuung, um Wundheilung, Schmerzniveau, Therapietreue und andere Faktoren zu überwachen. Da Patienten häufig weit von Krankenhäusern entfernt wohnen, sind persönliche Arztbesuche in der postoperativen Phase schwierig.
- Die Überwachung und kontinuierliche Kontrolle chronischer Erkrankungen der Patienten. Dazu gehören Diabetes, Bluthochdruck usw.
- Psychische Gesundheitsuntersuchung und therapeutische Unterstützung
- Die vorläufige medizinische Untersuchung, die durchgeführt werden kann, bevor ein Patient einen Arzt aufsucht
- Während Naturkatastrophen ist der Netzwerkzugriff immer eingeschränkt, das Sammeln und Speichern von Gesundheitsdaten von Patienten bleibt jedoch genauso wichtig.
Online-First Ansatz: Eine Lösung, die die Telemedizin für ländliche Regionen verändert
Vorteile des Offline Zugriffs auf Telemedizin Apps:
- Stabile Funktion der Software ohne Internetzugang
- Datensynchronisierung auf lokaler Ebene
- Automatische Synchronisierung nach Wiederherstellung des Netzwerkzugriffs
- Benutzerzugriff auf Synchronisierungsstatus und Backup Optionen
- Stabiles und unterbrechungsfreies Arbeiten mit der Anwendung
“Für Telemedizinanwendungen ist die Offline-Option kein technischer Luxus, sondern vielmehr eine Notwendigkeit. Durch die Konzentration auf Offline wird sichergestellt, dass Patienten in den ländlichen Räumen mit instabilem Netzwerkzugang medizinische Leistungen erhalten.”, so Dmytro Chudov, Leiter der Software Engineering bei Chudovo.
Anwendungsbeispiele für Offline Zugriff
- Ein Patient hat derzeit keinen Internetzugang, kann aber problemlos ein Formular zur Symptomverfolgung ausfüllen und speichern. Nach der Verbindung mit dem Netzwerk werden die Daten synchronisiert.
- Ein Bluetooth-fähiges Tonometer misst den Druck und überträgt die Daten automatisch an eine App auf dem Smartphone. Diese empfängt die Daten und speichert sie lokal. Sobald das Netzwerk verfügbar ist, werden die Daten zur Speicherung bereitgestellt.
- Ein Arzt verschreibt Behandlungsempfehlungen, die synchronisiert werden und dem Patienten zur Verfügung stehen, sobald er den verbundenen Bereich betritt.
- Senden asynchroner Sprach- oder Videonachrichten
Rechtliche Aspekte von Offline Telemedizin Anwendungen
- Alle lokalen Daten müssen DSGVO-konform und im Sinne des SGB V sowie des DVG verarbeitet werden. Nur notwendige Daten sollten gespeichert und verschlüsselt werden. Für die lokale Speicherung von Daten ist eine Einwilligung erforderlich.
- Aus der langfristigen Sicht sollten die Telemedizin Anwendungen so weit sein, dass sie mit der Telematikinfrastruktur (TI) kompatibel sind und bei entsprechender Konnektivität mit der elektronischen Patientenakte (ePA) interagieren können.
- Nur zertifizierte Dienstleister für die Synchronisierung sensibler Daten nutzen
Schwerpunktbereiche für Telemedizin Apps für den ländlichen Raum
Bei der Entwicklung von Anwendungen für die remote Überwachung der Gesundheit im Offline Modules sollten Entwickler im Gesundheitswesen Folgendes priorisieren:
- Schnittstellen, die für alle Bevölkerungsgruppen, einschließlich älterer Menschen, verständlich sind. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass in ländlichen Gebieten die überwiegende Mehrheit der Menschen über 60 Jahre lebt.
- App Leistung für verschiedene Gerätetypen. In ländlichen Gebieten verfügen die Menschen möglicherweise über ältere Telefonmodelle mit älteren Betriebssystemen.
- Einwilligung zur Datenverarbeitung und Identifizierung ohne Internetzugang.
- Stabile Synchronisierung und Lösung potenzieller Konflikte (eine fehlgeschlagene Datenübertragung sollte nicht zu deren vollständigem Verschwinden führen, die Synchronisierung sollte asynchron mit der Möglichkeit von Wiederholungsversuchen erfolgen, Anwendungen sollten Konflikte bewältigen, die entstehen können, wenn sich Patientendaten parallel online und offline ändern)
- Datenverschlüsselung und sichere lokale Datenspeicherung
Fazit
Ein großer Teil Deutschlands ist ländlich geprägt, und dementsprechend lebt ein Großteil der Bevölkerung in diesen Regionen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass jeder Bürger das Recht auf eine angemessene medizinische Versorgung hat. Die Telemedizin muss diese Lücken schließen und die Herausforderungen bewältigen, die für den ländlichen Raum in Deutschland aktuell relevant sind. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Lösungen mit Offline Modus, die einen unterbrechungsfreien Betrieb unter verschiedenen Bedingungen gewährleisten. Deutschland befindet sich derzeit in einer Phase der Digitalisierung und diese Veränderungen sollten sich positiv auf die medizinische Versorgung von Patienten außerhalb der Großstädte auswirken.

